Ein Blick zurück: Gab es den Amphibien-Pilz schon in den 1980er Jahre?

Die Chytridiomykose, eine für die Amphibien meist tödliche Pilzerkrankung, gilt als wichtiger Faktor für das weltweiten Amphibiensterben. Der gefährliche Erreger verbreitet sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern im Jahr und kann innerhalb von kürzester Zeit ganze Populationen auslöschen. Bislang sind über 250 Amphibienarten von der Krankheit betroffen. Es ist noch nicht genau bekannt, auf welche Weise und seit wann sich der gefährliche Pilz verbreitet.
Auch in Europa wird in den letzten Jahrzehnten ein dramatischer Rückgang einiger Amphibienpopulationen beobachtet. In der bayerischen Rhön sind die Bestände der Geburtshelferkröte seit den 1980er Jahren um 70 Prozent eingebrochen. Der drastische Rückgang wurde vor allem auf die Zerstörung und Verschlechterung der natürlichen Lebensräume zurückgeführt, doch aktuelle positive Nachweise des tödlichen Pilzes lassen die Frage aufkommen, ob der Erreger mitverantwortlich ist. Um dies zu klären, untersuchte Dr. Susanne Böll in einer, von dem Amphibien-Fonds geförderten Studie, seit wann der Pilz in dieser Region vorkommt. Diese Studie liefert neue Erkenntnisse zur Verbreitung der Krankheit und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Ursachen des weltweiten Amphibiensterbens.
Um die Frage zu klären, ob der tödliche Erreger schon länger in der Rhön präsent war, hat Frau Dr. Böll eine Geburtshelferkrötenpopulation untersucht, die aktuell von der tödlichen Krankheit betroffen ist. Für eine wissenschaftliche Studie Ende der 80er Jahre wurden aus dieser Population fast 15.000 Gewebeproben entnommen, die jetzt, 23 Jahren später, auf den Chitridpilz untersucht wurden. Das Ergebnis: Der gefährliche Erreger konnte bei keiner Probe nachgewiesen werden. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Chytridpilz damals in der gesamten Region noch nicht vertreten war. Untersuchungen haben ergeben, dass trotz eines weitgehend flächendeckenden Auftretens des Pilzes nicht alle Gewässer befallen sein müssen und selbst benachbarte Gewässer unterschiedlich betroffen sein können.

Mehr über den Amphibien-Fonds

Zurück zur Übersicht